
Ich habe eine ganze Weile überlegt, ob ich dieses Thema auf dem Blog anschneiden soll. Zum einen, weil ich mich natürlich in die Gefahr bringe, bei meinem alten Arbeitgeber in Ungnade fallen zu können und so mir die Möglichkeit verbaue, zurückzugehen (was aber eh nicht geplant ist). Zum anderen, weil hier auch mindestens eine Mutter aus meinem ehemaligen Kindergarten mitliest und ich niemanden negativ beeinflussen möchte oder Diskussionen provozieren möchte.
Dann aber habe ich mir gedacht: „Es kann doch nicht sein, dass mir – und vermutlich vielen anderen Frauen – so etwas passiert und keiner darüber redet.“
Und genau deswegen, weil wir Frauen über solche Vorfälle berichten sollten, um zu sehen, dass wir nicht alleine sind, um dieses System anzuklagen und um hoffentlich zu einer Änderung der Verhältnisse beizutragen. Und darum möchte ich jetzt darüber erzählen:
Ich muss ein wenig weiter ausholen: Im Oktober 2017 übernahm ich die stellvertretende Leitung unserer Einrichtung, weil meine Kollegin, die diese Position vorher ausgefüllt hatte, ein Kind erwartete. Ich trat die Stelle gerne an und es war von Anfang an klar, dass ich auch die Leitung übernehmen sollte, wenn unsere Leitung 2020 in Rente gehen würde.
Ich habe hart gearbeitet. Mich in Systeme eingearbeitet, die ich vorher nie benutzt habe, Abrechnungen gemacht, Kontakte zu Ämtern geknüpft und gepflegt, habe Fortbildungen besucht, auch mal länger oder am Wochenende gearbeitet und, was mir am schwierigsten gefallen ist, ich habe mir die Position unter meinen Kollegen erarbeitet, dass sie Weisungen von mir angenommen haben. Das soll nun keine Gejammer sein, ich habe es wirklich gerne gemacht (deswegen habe ich es auch noch bis zum Mutterschutz gemacht und überlegt, auch noch stundenweise im Mutterschutz zu arbeiten) und ich habe mich wirklich auf die Aufgaben als Leitung gefreut.
Nachdem meine Periode im Januar 2019 mit nur einem Tag quasi nicht existent war und die im Februar ausblieb sprach ich über meine Vermutung, schwanger zu sein, schon bei meiner Chefin an, bevor ich beim Frauenarzt war. Sie war überhaupt nicht begeistert, sagte auch zwei Dinge, die ein Vorgesetzter in dieser Situation nie sagen sollte, aber ich habe darüber hinweggesehen, denn natürlich hatte ich ihr grade einen ziemlich dicken Brocken vor die Füße geworfen.
Nachdem ich dann wusste, dass wir ein Kind erwarteten, suchte ich wieder das Gespräch. Ich wollte planen, wie es weitergehen könnte. Mein Plan sah so aus: ein halbes Jahr Elternzeit und dann würde ich im Mai wieder einsteigen. Dann hätte ich noch fast ein halbes Jahr, bevor sich meine Chefin in den Ruhestand verabschieden würde und ich nachrücken könnte. Ich weiß, dass diese Zeit ausreichen würde, um mich wieder einzuarbeiten, immerhin hatte ich bereits viel gelernt, was mir in Fleisch und Blut übergegangen war. Nur leider kam alles anders.
Meine Chefin war nicht davon überzeugt, dass ich in den Job zurück kommen würde. Überhaupt würde ja mein Vertrag im Januar auslaufen (die Elternzeit meiner anderen Kollegin lief aus, aber wir wussten, dass sie nochmal verlängern würde) und dann hätte ich keinen Anspruch darauf, wieder dort arbeiten zu dürfen. Sie kam nicht auf die Idee, dass man mich ja wieder einstellen könne und als ich das ansprach, winkte sie nur ab.
Und so sieht es also aus: Seit dem 2. Januar 2020 bin ich offiziell arbeitslos. Bzw. in Elternzeit.
Mit diesem Post möchte ich mich wirklich nicht beklagen. Ich möchte aber aufzeigen, dass es als Schwangere oder Mutter auch in den Berufen schwierig ist, die eigentlich als sehr familienfreundlich gelten. Und nachdem mir das passiert ist, habe ich das auch bei Kolleginnen gesehen, die bereits Kinder haben. Die wurden dann – oft nicht direkt, sondern hinter ihrem Rücken – dafür verurteilt, dass sie pünktlich gehen, um die Kinder vom Kindergarten oder der Schule abzuholen. Oder dass sie mal nicht kamen, weil die Kinder krank waren. Oder dass sie ihre Kinder auch mal mitgebracht haben, weil z.B. Schulferien, aber eben nicht Kindergartenferien waren. Ich hoffe sehr, dass sich das bald ändern wird. Ich habe leider keinen Plan, wie wir das direkt beeinflussen können. Wenn einer von euch eine Idee habt, dann schreibt es doch bitte in die Kommentare.
Wie geht es bei mir weiter?
Nachdem ich im Februar 2019 sehr viel geweint habe und unglaubliche Zukunftsängste hatte, habe ich mich sehr schnell aufgerafft. Fakt ist nämlich: Als Erzieherin muss ich mir überhaupt keine Sorgen machen, dass ich keinen Job bekommen würde. Zumindest hier im Kreis sind über 60 Stellen unbesetzt (Stand Juni 2019) und überhaupt gibt es nicht genug Plätze, um alle Kinder unterzubringen, die Wartelisten sind ewig lang.
Und wie es der Zufall will, hatte ich meine Arbeit nicht umsonst gemacht und mir nicht umsonst einen Ruf aufgebaut. Denn im September wurde ich kontaktiert, ob ich nicht eine andere Stelle als stellvertretende Leitung annehmen wollen würde (und das schmeichelt dem Ego ungemein, wenn man aufgrund seiner Leistungen empfohlen und rekrutiert wird).
Und natürlich habe ich zugesagt und so gehe ich ab den 01.03.2020 zurück in meinen Beruf, wenn auch in eine andere Einrichtung. Dafür bekomme ich zwar auch wieder jede Menge Kritik, aber das ist ein anderes Thema.
Wie sieht es eigentlich bei euch aus? Habt ihr Kinder und wenn ja, wie habt ihr die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erlebt. Ich würde mich auch besonders über positive Berichte freuen, wo ihr unterstützt wurdet oder wo ihr wundervolle Modelle erlebt habt.
Wir lassen uns alle nicht von diesem System unterkriegen!
In diesem Sinne wünsche ich euch einen wundervollen Tag.
Daniela