
Wir nähern uns dem errechneten Geburtstermin. Und je näher der rückt, desto mehr habe ich über die letzten Wochen nachgedacht. Habe ich die Zeit gut genutzt? Und auch wenn ich das Gefühl habe, nicht produktiv gewesen zu sein, muss ich doch sagen, dass ich in den letzten acht Wochen etwas über mich selbst herausgefunden habe. Und diese 10 Selbsterkenntnisse möchte ich gerne jetzt mit euch teilen:
- 10.000 Schritte pro Tag sind garnicht mal so viele
10.000 Schritte am Tag, so lautet die Empfehlung der WHO, damit man wenigstens ein bisschen Bewegung in seinen Alltag bekommt. Als ich Anfang September meine Besuche im Fitnessstudio für die nächste Zeit eingestellt hatte, wollte ich mir die Zeit zumindest mit den 10.000 Schritten vertreiben und ich muss sagen, ich war schockiert! Im Arbeitsalltag kam ich zwar auch immer so auf 8.000 Schritte, aber da laufe ich ja auch so viel umher, bin aktiv und ich dachte immer, das muss ja ewig dauern, bin man mal 10.000 Schritte macht. Pustekuchen! 2 Stunden und dann sind die locker drin. Das motiviert mich, in Zukunft, auch nach bzw. mit Baby, öfter mal den Hintern hochzukriegen. - Putzen dauert garnicht so lange
Dann versuchte ich, mich mit putzen zu beschäftigen. Wir wohnten hier seit 8 Monaten und ich dachte, die Wohnung könnte mal eine Tiefenreinigung vertragen (hallo Nestbautrieb). Also fing ich in der Küche an. Ich räumte die Schränke aus, putze über die Regalbretter und räumte sie wieder ein. Die Fronten wurden geschrubbt, die Kanten an Herd und Spüle mit der Zahnbürste gereinigt, der Backofen behandelt… Und ich stellte am Ende fest, dass ich mit der Küche (dem wohl aufwendigsten Raum, wenn es um eine Tiefenreinigung geht) nach etwas mehr als einem halben Tag fertig war. Am nächsten Tag brauchte ich nur ein paar Stunden, bis auch das Schlafzimmer blitzblank war. Inklusive dem Ausmisten des Kleiderschrankes!
In dem Moment hatte es mich ein wenig geärgert, denn ich hatte gehofft, länger beschäftigt zu sein. Aber ich habe aus der Erfahrung wirklich gelernt, dass putzen wirklich keine große Aufgabe ist und sich viele Aufgaben auch mal zwischen zwei Aufgaben am Tag drücken lassen. - Es gibt ordentlich was zu tun, bevor das Baby kommt
Elterngeld, Elternzeit, Krankenkasse, Geburtsvorbereitung, Vaterschaftanerkennung, Sorgerecht, letzte Besorgungen, „Kliniktasche“… In den ersten Tagen bzw. den ersten 2 Wochen vom Mutterschutz bin ich gefühlt nur rumgerannt. Insbesondere das bürokratische drumherum hat viel Zeit in Anspruch genommen. Was ich alleine mit der L-Bank bzgl. des Kindergeldes telefoniert habe, bzw. in der Beratungsstelle gesessen bin…
Lustig war aber der Besuch beim Jugendamt wegen der Vaterschaftsanerkennung und der Sorgerechtserklärung. Wir haben da Stories von Paaren erzählt bekommen, die Mitarbeiterin hatte wirklich eine recht lockere Zunge. Nur als sie meinen Freund zum 3. Mal gefragt hatte (bevor er die Vaterschaftsanerkennung unterzeichnet hat), ob er sich auch gaaaaanz sicher sei, dass es sein Kind ist und er wisse, worauf er sich da einlasse, war ich ein bisschen genervt. - Ich vermisse meinen Freund
Ich habe nie daran gezweifelt, dass ich ihn liebe. Aber dass ich ihn mal so vermissen würde, nur weil er arbeitet und ich daheim warte, das hat mich verwundert und gleichzeitig hat es mir deutlich gemacht, wie wichtig er mir ist und dass ich mehr in die Beziehung investieren sollte. Ich glaube, ich hatte dieses Gefühl im Arbeitsalltag ein wenig verloren. Und ich bin so froh, dass ich das gemerkt habe und ich denke, wir sollten uns in Beziehungen öfter eine Möglichkeit geben, einander zu vermissen. Das erreichen wir dadurch, dass wir dann und wann einmal etwas getrennt voneinander machen. Einer von uns kann z.B. in seine Heimat fahren für zwei Tage und umso mehr freuen wir uns, wenn wir uns wiedersehen.
Tatsächlich habe ich diesen Tip schon einmal in einem Buch gelesen: How to be Parisian*. Und da in diesem Buch viele gute Dinge stehen und ich den Effekt nun selbst erfahren konnte, werde ich daran festhalten. - Die Tage können verdammt lang werden
Nachdem also nach knapp 2 Wochen die letzten Vorbereitungen für das Baby abgeschlossen, die Wohnung geputzt und ich schon morgens meine 10.000 Schritte drin hatte (und nebenbei dir Stadt auch schon in- und auswendig kannte), passierte es. Plötzlich machte sich eine gähnende, ja dunkle Langeweile breit, die mich für ein paar Tage auch tatsächlich in eine depressive Phase runterriss, dass sich mein Freund Sorgen machte. Ich war es gewohnt, viel unter Strom zu stehen, sei es auf der Arbeit oder danach noch für 2-3 Stunden daheim. Ich hatte immer eine volle ToDo-Liste, war immer auf den Beinen und wusste immer, wie ich mich beschäftigen sollte. Nur jetzt fehlte mir alles: meine Arbeit mit ihrer Verantwortung, der Sport… und die Einsamkeit während mein Freund auf der Arbeit war, zog mich noch mehr runter (wenn man sonst 24 Std. mit Menschen zu tun hat, genießt man einsame Momente, aber auf Dauer kommt das Loch).
Am schlimmsten fand ich, dass ich mir absolut nutzlos vorkam… Natürlich, ich kümmerte mich dann wenigstens wieder etwas mehr um den Haushalt, aber nachdem Putzen eben auch nicht so lange dauert, auch wenn ich alle Schränke von innen und alle Böden per Hand geputzt habe, saß ich doch eine große Zeit am Tag nur herum. Das waren Ende September/Anfang Oktober auf jeden Fall die schwierigsten Tage/Wochen im Mutterschutz. - Lesen macht wieder Spaß
Nach einigen Tagen konnte ich mich wenigstens aufraffen und ein Buch aus dem Schrank nehmen. Und es passierte etwas wundervolles. Nachdem ich mir im Arbeitsalltag wenig Zeit zum Lesen genommen hatte und das Lesen zu der Zeit auch mehr als weiteren Punkt auf der ToDo-Liste angesehen hatte, konnte ich jetzt wieder richtig eintauchen. Das, was ich früher als Kind und Jugendliche und auch noch teilweise in meinem Studium richtig gerne gemacht habe, machte wieder Spaß. Ich griff hauptsächlich zu Non-Fiction und so saß ich da, las und machte mir Notizen. Ich lernte, ja studierte quasi wieder, das Wissen aus Büchern beflügelte mich und trieb mich an, mehr zu lesen und mehr zu wissen. Ich war wirklich überwältigt und so kam ich langsam aber sicher aus meinem dunklen Loch wieder heraus. - Langeweile ist mein Trigger Nr. 1 zum Geldausgeben
Es ist leider nicht so, dass ich die Bücher daheim gehabt hätte… Nein, ich habe sie mir bestellt. Das ging ganz schön ins Geld. Wenn mir nachmittags langweilig war, ging ich gerne in das Café weiter die Straße runter. Schön was trinken und vielleicht sogar ein Stück Kuchen essen. Wenn ich eh in der nächsten Stadt war wegen eines Termins, dann konnte ich ja auch noch zum TKMax gehen, nur zum Gucken….
Ich hatte ja schon erwähnt, dass mein September-Budget total aus dem Ruder gelaufen ist. Und die Langeweile, bzw. das Geldausgeben aus Langeweile waren maßgeblich daran beteiligt. Im Oktober hatte ich mich zwar wieder etwas mehr im Griff (da ich auch wieder aus dem Loch rausgekommen bin), aber auch hier habe ich mehr ausgegeben, als geplant – und zwar gut doppelt so viel als zu Arbeitszeiten. Das zeigt mir, dass mein Trigger fürs Geldausgeben wohl tatsächlich Langeweile ist. - Was man alles so getan bekommt, wenn man nicht arbeiten geht!
Irgendwann habe ich dann die Kurve gekriegt. Ich habe mir einen Plan gemacht, eine ToDo-Liste sozusagen, was ich alles in der Zeit machen könnte, die ich daheim bin.
Einkaufen, backen, kochen, sparen, verkaufen, schwimmen, spazieren, sich mit Leuten treffen… ich fühlte mich mehr oder weniger von einem Tag auf den anderen frei, ich habe Erfahrungen machen können und es war gigantisch! Jeden Abend ging ich mit einem Gefühl der Zufriedenheit ins Bett, auch wenn ich gestehen muss, dass mich die Aktivität des Tages oft relativ lange wach gehalten hat, weil ich doch noch ziemlich aufgekratzt war. Aber ich sage euch, ich habe mich lange nicht mehr so erfüllt gefühlt, wie in dieser Zeit. - Ich liebe meinen Job
Obwohl ich am Ende gelernt hatte, mich selbst gut zu beschäftgen, habe ich gemerkt, wie sehr ich meinen Beruf liebe. Kaum ein Tag, an dem ich nicht an die Arbeit mit Kindern und Eltern denke, an denen ich nicht irgendeine Idee bekomme, was man mit den Kindern in dieser Jahreszeit unternehmen könnte. Und ja, ich bin schwanger und kurz vorm ET, aber ich denke ja nicht an das Babyalter, sondern an das Vorschulalter. Und das zeigt mir, dass ich wirklich gedanklich an meinem Job hänge.
Umso mehr freut es mich, dass ich jetzt schon wieder meinen beruflichen Wiedereinstieg plane und sogar fest mache. Und das geschah auf sehr seltsame Wege, wie ich euch in einem anderen Post erklären werde, da es hier definitiv den Rahmen sprengen würde. - Ich bin Herrin meiner selbst
Und vor allem habe ich gemerkt: Ich bin selbst für mein Glück verantwortlich! Kein Freund, kein Arbeitgeber, kein Schicksal ist dafür verantwortlich, dass ich beschäftigt bin oder glücklich. Ich gestalte meine Gegenwart und meine Zukunft selbst und da darf mir auch keiner reinreden. Denn schon vor dem Mutterschutz haben mir viele Leute gutgemeinte Ratschläge gegeben (mein liebster war: „Du machst zu viel, du solltest dich öfter ausruhen“), die aber weder meinem Naturell, noch meinem aktuellen Bedürfnis entsprechen. Jetzt merke ich, dass ich öfter müde bin am Tag. Und wisst ihr was: dann lege ich mich auch einfach hin. Eine Stunde schlafen und dann geht es weiter.
Insgesamt fühle ich mich durch die letzten Wochen wirklich bereichert.
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Ihr seht, ich hatte einige gute, andere schlechtere Lernerfahrungen. Am Ende glaube ich aber, haben mir diese paar Wochen doch einiges gezeigt. Es ist der Wahnsinn, was wir in kurzer Zeit lernen können, wenn wir uns selbst aufmerksam beobachten und welche Vorteile wir daraus für die Zukunft machen können.
Habt ihr schon einmal eine Zeit durchgemacht, die euch viel über euch selbst erfahren lassen habt?
Liebe Grüße,
Daniela